Unsere ReferentInnen 2012

Seit 2010 finden die |Tage der Utopie| in Deutschland statt. Die Porträts, Themen und einige Vorträge der bisher eingeladenen ReferentInnen zum Nachlesen und manchmal hören.

Occupy money

 

Ein wertstabiles Geld und seine positiven Folgen

Prof. Margrit Kennedy, Geldforscherin und Architektin, Steyerberg

Das herrschende Geldsystem ist krank. Die angewandten Therapien führen nur tiefer in die Erkenntnis, dass seine Stabilisierung so keinen Sinn macht.

Wie ist es möglich ein Geldsystem zu schaffen, dass dem Menschen dient und nicht hauptsächlich dem Profit? Margrit Kennedy entwirft eine naheliegende Utopie für neues Geld, das zinsfrei, gerecht und stabil ist und es wieder zu einer steuerbaren öffentlichen Dienstleistung macht, statt eine Ware zu bleiben, die zu krankhaftem Wachstumszwang verführt.

Margrit Kennedys Arbeit in ökologischen Projekten führte sie zu der Erkenntnis, dass die breitere Anwendung ökologischer Prinzipien durch einen grundsätzlichen Fehler im Geldsystem behindert wird. Die Architekturprofessorin Margrit Kennedy wurde so Kritikerin der bisher geltenden Wirtschaftsordnung. Ihre weltweite Beratungstätigkeit in Universitäten, Gewerkschaften und Kirchen nimmt seit 1987 einen zunehmend breiteren Raum ein.

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Wie wollen wir zusammen leben?

Wie kann eine Gesellschaft aussehen, in der Armut Alle angeht?

Susanne Wiest, Tagesmutter und Petentin, Greifswald

|Der Bundestag möge beschließen das bedingungslose Grundeinkommen einzuführen.| Diese Eingabe an den Petitionsausschuss 2009 krönte das Engagement Susanne Wiests für den Kulturimpuls |Bedingungsloses Grundeinkommen|. Die Anhörung im Ausschuss ermöglichten schließlich über 50.000 Unterschriften. Sie verbindet mit diesem Impuls ein neues Demokratieverständnis der individuellen Einmischung für sich und ihren Wunsch allen Bürgern ein würdevolles Leben zu gewährleisten. |Für mich ist das gemeinsame, offene Gespräch über unser Zusammenleben das atemberaubend Neue. Offenheit im politischen Raum. Wir werden sichtbar. Ich habe mich, von der bloßen Demokratieteilnehmerin in eine Demokratiemitgestalterin gewandelt.|

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Bildung neu denken

Was müssen Kitas und Schulen der Zukunft bieten?

Prof. Dr. Tanja Pütz, Reformpädagogin, Kiel

Erziehung und Bildung haben einen Paradigmenwechsel durchlaufen, auf den die Institutionen noch nicht angemessen reagieren. Kitas und Schulen stehen deswegen vor einer großen Herausforderung. Trotz der Beispiele aufrechter pädagogischer Haltung die Mut machen: wie gelingt der Spagat zwischen gesellschaftlichen Anforderungen, Leistungsdruck, individueller Förderung und Freude am Lernen?

Tanja Pütz ist Professorin für Erziehung und Bildung im Kindesalter an der FH Kiel. Zuvor war sie Juniorprofessorin für Kindheitspädagogik und Allgemeine Didaktik an der Alanus Hochschule. Seit vielen Jahren berät sie freiberuflich als Fortbildnerin für Erzieherinnen und Lehrerinnen im Bereich Bildung neu denken deutschlandweit Schulen und Kitas. Dabei begleitete sie auch die Neue Schule Hamburg, die erste deutsche demokratische Schule nach dem Sudbury School Modell.

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Informativ? Investigativ? Konstruktiv!

Michael Gleich Journalist, Nauheim

Medien beschränken sich oft darauf, über Katastrophen, Probleme und Scheitern zu berichten. Gesellschaften wollen aber wissen, wie sie ihre Zukunft gestalten können. Wer nimmt sich brennender sozialer Probleme an, wer sucht nach Lösungen, wer macht sich auf den Weg, Visionen in die Realität umzusetzen? Antworten auf solche Fragen bleiben uns die etablierten Medien meist schuldig. Michael Gleich fordert einen konstruktiven Journalismus nicht nur: In einem Netzwerk von Reportern und Fotografen praktiziert er ihn seit 15 Jahren.

Er studierte Publizistik, Soziologie und Geschichte. Er schrieb für GEO, Stern und das ZEIT-Magazin. Für Michael Gleichs letztes Projekt, Peace Counts, reisten Journalisten und Fotografen in über dreißig Konfliktregionen und dokumentierten die Arbeit von Friedensmachern, die Konflikte auf friedliche Weise und nachweisbar mit Erfolg lösen.

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Wetteifert also miteinander zum Guten

Gegenwärtige und zukünftige Dialogfähigkeit der Religionen und Weltanschauungen

Halima Krausen, Imamin, Hamburg

|Einem jeden von euch haben Wir einen ethisch-rechtlichen Rahmen und einen Weg gegeben. Wenn Gott es gewollt hätte, dann hätte Er euch alle zu einer einzigen Gemeinschaft gemacht, aber dies ist so, um euch zu prüfen durch das, was Er euch gegeben hat. Wetteifert also miteinander zum Guten. Zu Gott ist euer aller Heimkehr, dann wird Er euch aufklären über das, worin ihr uneinig gewesen seid...|

Auszug aus dem Koran, SURAH 5: 48

Halima Krausen wuchs in einem ev./kath. Elternhaus auf, findet mit 13 Jahren zum Islam. Sie ist eine der wenigen weiblichen Imaminnen Deutschlands. An der Moschee zur Schönen Aussicht in Hamburg berät sie deutschsprachige Muslime. Ihr geht es nicht nur um Religionsfrieden. Soziale Gerechtigkeit, Achtung vor dem Leben, Verantwortung für die Schöpfung, Schritte zum Frieden zwischen den Völkern: im Zeitalter der Globalisierung kann Verantwortung nur gemeinsam wahrgenommen werden.

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Die Kultur der Liebe

Die Vision einer Welt des Wir. Nur ein Gott kann uns noch retten – Heidegger, Hölderlin und die neue Welt des Wir

Dr. phil. Christoph Quarch, Philosoph, Fulda

Wir sind mitten in der Morgendämmerung einer neuen Auslegung der Welt, die uns zu verstehen gibt, dass alles Sein Beziehung ist. Die Welt als das Kind des Denkens verdankt Ihre Einrichtung der Deutung, die Menschen ihr verliehen haben; und der wir uns bei all unserem Tun und Lassen unausweichlich unterwerfen. Soll der Lauf der Welt sich wandeln, bedarf es deshalb eines anderen Denkens. Nur eine neue Auslegung des Seins im Ganzen, wie der Philosoph Martin Heidegger das nannte, wird der Heraufkunft einer neuen Zeit den Weg bereiten. Doch wie kann so etwas geschehen? Wie ist ein neuer Anfang möglich? Und was wären die Signaturen des Neuen?

Christoph Quarch studierte Philosophie, Theologie und Religionswissenschaft. Promotion über Platons Philosophie der Lebendigkeit. Er war Studienleiter des Deutschen Ev. Kirchentags, bis 2007 Chefredakteur von Publik Forum.

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